Das offene Bananaboot verlässt die sanfte Bucht von Lababia zur Mittagszeit. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel herunter, die See ist glatt. Einige von uns sind noch krebsrot von der Hinfahrt. Die Sonnencreme kreist, und die empfindliche Haut wird mit leichten Stoffen bedeckt. Zweieinhalb Stunden auf dem offenen Meer dauert die Fahrt zurück nach Lae. Hinter uns liegen besinnliche Weihnachtstage. Der Küstenstreifen, an dem wir vorübergleiten, ist fast vollständig bewaldet. Nur vereinzelt tauchen die kleinen Bambushütten der Fischer aus dem Busch auf. Dahinter erheben sich unzählige Bergketten, die von einem kräftigen Grün zu einem immer schwächer werdenden Grau am Horizont verschwimmen. Der menschliche Einfluss auf die Natur ist kaum sichtbar. Auch den ersten Europäern, die hier von mehreren hundert Jahren gelandet sind, muss die Gegend nahezu unbewohnt erschienen sein. Dass sich an dieser entlegenen Küste Australier und Japaner im Zweiten Weltkrieg blutige Schlachten geliefert haben, wird mir erst bewusst, als ein verrostetes Flugzeugwrack neben dem Boot aus dem Wasser ragt. An diesem abgelegenen Ort gibt es ein kleines Guesthouse. Vier Hütten stehen für erholungssuchende Touristen bereit. Für Essen wird gesorgt, zu kaufen gibt es nichts. Die Betreiber bieten kleine Ausflüge zum Schnorcheln und in den Busch an: Floßfahrten zum Vogelbeobachten und nächtliche Wanderungen am Strand auf der Suche nach den eierlegenden riesigen Lederrückenschildkröten stehen auf dem Programm. Lababia bietet vor allem Ruhe, Entspannung und Natur, dem Weihnachtsrummel waren wir entkommen. Auf dem Weg zurück taucht ein anderes Boot am Horizont auf. Zuerst hören wir nur ein dunkles Gelächter, dann erkennen wir, wer auf uns zuhält. Mit dickem roten Mantel, langem weißen Bart und braunem Gesicht begegnet uns der Weihnachtsmann gleich in doppelter Ausführung auf der Reise zu seinen entlegensten Einsatzorten. Fröhlich winkend und mit großem Hallo ziehen diese zwei so vertrauten und doch an dieser Stelle so unpassenden Gestalten am hellichten Tage und in brütender Hitze an uns vorüber. Nur die Rentiere fehlen zur perfekten Illusion. Zu schnell, als dass auch nur einer den Fotoapparat hätte zücken können, verschwindet das Boot wieder. Es ist der 26.12.99, und ich habe den Weihnachtsmann gesehen. Es gibt ihn wirklich, Ehrenwort. Jochen Impressum und bei technischen Fragen: Jochen Lohmann / dock3 / dock3@web.de
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